| Wer ist Buddha? Wer Buddha ist, lässt sich, je nach den unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung, in verschiedenster Art und Weise beschreiben. Diese Tatsache ist in Buddhas Lehren enthalten. Auf der einen Ebene zeigt sich der historische Buddha, der vor 2500 Jahren gelebt hat, als ein Mensch, dem es gelungen ist, seinen Geist vollständig zu reinigen und sein gesamtes Potenzial zu verwirklichen. Jeder, der diesen Weg beschreitet und bis zum Ende verfolgt, gilt ebenfalls als Buddha. Denn es gibt viele Buddhas und nicht nur den einen. Auf der zweiten Ebene sehen wir die konkrete Erscheinungsform eines Buddha oder eine spezielle buddhistische Gottheit als Manifestation des allwissenden Geistes in einer bestimmten physischen Gestalt, die angenommen wird, um mit uns direkt kommunizieren zu können. Auf der dritten Ebene verstehen wir den Buddha bzw. eine der erleuchteten buddhistischen Gottheiten als eine Erscheinungsform des zukünftigen Buddhas, in den wir uns dereinst verwandeln werden, wenn wir einmal voll und ganz den Pfad zur Erleuchtung beschritten haben. Das heißt, wenn wir unseren Geist von allen Verunreinigungen befreit und so unser höchstes Potenzial verwirklicht haben werden. Was sind die drei Juwelen? Die drei Juwelen sind Buddha, Dharma und Sangha. Buddha ist jemand, dem es gelungen ist, sich von sämtlichen Verunreinigungen des Geistes, von den verstörenden Geisteszuständen, von den Abdrücken der dadurch motivierten Handlungen und von den Spuren dieser verstörenden Zustände zu reinigen. Er hat alle gute Eigenschaften entwickelt: bedingungslose Liebe, unteilbares Mitgefühl und die Weisheit, welche jede Existenz durchleuchtet und begreift. Und er versteht es, die anderen richtig anzuleiten. Der Dharma sind jene Mittel, die uns vor Problemen und Leid bewahren. Dazu gehören Buddhas Lehren, die Verwirklichung dieser Lehren, das Aufhören von Problemen samt deren Ursachen, und die Erkenntnisse, genannt „Pfade“, die dahin führen. Der Sangha besteht aus denjenigen, welche die Leerheit bzw. letztendliche Wahrheit unbegrifflich und unmittelbar erkannt haben. Auf der konventionellen Ebene setzt sich der Sangha aus Ordensfrauen und männern zusammen, die Buddhas Lehren zu verwirklichen bemüht sind. Der Dharma ist unsere eigentliche Zuflucht die Medizin, die wir einnehmen, um unsere Probleme und ihre Ursachen zu beseitigen. Der Buddha ist wie der gute Arzt, der die Ursachen unserer Probleme korrekt diagnostiziert und dann die passende Medizin verschreibt. Der Sangha unterstützt uns in der Praxis und seine Rolle gleicht derjenigen der Krankenschwester, die uns bei der Medikamenteneinnahme hilft. Zuflucht nehmen bedeutet, daß wir von ganzem Herzen auf die drei Juwelen vertrauen, damit sie uns inspirieren und unser Leben in eine konstruktive und wohltätige Richtung lenken. Zuflucht nehmen bedeutet nicht, sich untätig im Schutze von Buddha, Dharma und Sangha zu verstecken. Vielmehr ist es ein aktiver Prozeß, bei dem wir die von ihnen vorgegebene Richtung einschlagen und dergestalt die Qualität unseres Lebens nach und nach verbessern. Was ist der Kern der Lehren Buddhas? Einfach ausgedrückt ist die zentrale Botschaft Buddhas, daß wir anderen Lebewesen keinen Schaden zufügen sollten und uns stattdessen bemühen sollten, ihnen so viel wie möglich zu helfen. Anders gesagt: schädlichen Handlungen ist zu entsagen, untadelige Tugend ist zu schaffen, der eigene Geist ist unter Kontrolle zu bringen. Das ist die Lehre Buddhas. Wir machen Schluß mit schädlichen Handlungen (töten usw.) und mit der zerstörerischen Motivation (Zorn, Anhaftung, Engstirnigkeit und dergleichen). Solcherart hören wir auf damit, uns selbst und anderen zu schaden. Bei der Verwirklichung vollkommener Tugend entwickeln wir heilsame Eigenschaften wie unteilbares Mitgefühl und bedingungslose Liebe. Wir beginnen, Handlungen auszuführen, die von diesen positiven Gedanken motiviert sind, und wir lernen, den Geist zu beherrschen. Dergestalt können wir alle falsche Vorstellungen vernichten. Wir können bewirken, dass wir ruhig und friedfertig werden, indem wir die Wirklichkeit verstehen lernen. Die Kernbotschaft der Lehren Buddhas ist auch in den drei Prinzipien des Pfades enthalten: «Entsagung» (auf Tibetisch wörtlich „entschiedenes Verlassen“ des zwanghaften Daseinskreislaufs), «das hingebungsvolle Herz» sowie «die Weisheit, welche die Leerheit erkennt». Am Anfang versuchen wir sicherlich der Verwirrung zu entkommen, die aus unseren Problemen und deren Ursachen besteht. Dann sehen wir zunehmend, wie andere Menschen ebenfalls Probleme haben. Von Liebe und Mitgefühl erfüllt, verpflichten wir uns von ganzem Herzen dazu, selber wie Buddha zu werden, um den anderen wirklich tatkräftig helfen zu können. Dafür ist es unerläßlich, allumfassende Weisheit zu entwickeln, damit wir die wahre Natur von uns selbst wie auch der anderen Phänomene erkennen können. Warum gibt es so viele verschiedene buddhistische Traditionen? Buddha hat eine große Vielfalt von Lehren gegeben, und zwar aus dem Grund, weil die Lebewesen (d.h. jedes Wesen, das Geist besitzt, aber nicht ein Buddha ist, einschließlich solcher, die sich in anderen Existenzbereichen befinden) jeweils ganz verschiedene Anlagen, Neigungen und Interessen haben. Buddha ist niemals davon ausgegangen, daß wir alle in die gleiche Form hineinpassen würden. So lehrte er auf vielfache verschiedene Weise und beschrieb die unterschiedlichsten Arten von Übungen, damit ein jeder von uns etwas Passendes für seinen jeweiligen Entwicklungsstand und seine Persönlichkeit finden möge. Einfühlsam in der Führung von anderen Menschen, von Liebe und tiefem Mitgefühl erfüllt, hat Buddha das Rad des Dharma dreimal gedreht. Jedes Mal setzte er ein leicht abgewandeltes philosophisches System in Bewegung, passend zu unterschiedlich veranlagten Lebewesen. Die Kernbotschaft sämtlicher Unterweisungen ist dabei immer die gleiche: der Wunsch, Samsara dem immer wiederkehrenden Kreislauf der Probleme endgültig zu entkommen, Mitgefühl für andere zu entwickeln und die Weisheit der Selbstlosigkeit zu erlangen. Nicht jedem schmeckt das gleiche Essen. Wenn ein großes Buffet vor uns ausgebreitet wird, suchen wir natürlich die Gerichte aus, die uns gefallen. Es besteht keine Verpflichtung, alles zu mögen. Obwohl uns z.B. süße Sachen besonders gut schmecken, bedeutet das nicht, daß die salzigen Gerichte nicht gut sind und weggeworfen werden sollten. In der gleichen Art und Weise kann es sein, daß wir im Hinblick auf die Lehren eine besondere Herangehensweise bevorzugen: Theravada, Reines Land, Zen, Vajrayana, etc. Es steht uns frei, die Methode zu wählen, mit der wir uns am ehesten zurechtfinden, und die am besten zu uns passt. Dennoch sollten wir uns einen offenen Geist erhalten und die anderen Schulen und Traditionen respektieren. Im Verlauf der Entwicklung unseres Geistes lernen wir möglicherweise Elemente anderer Traditionen verstehen, die uns bis dahin unverständlich erschienen sind. Kurz zusammengefaßt: was immer nützlich und uns dabei behilflich ist, ein besseres Leben zu führen, praktizieren wir; was wir noch nicht verstehen können, lassen wir beiseite, ohne es zu verwerfen. Sollten wir aber eine Tradition für die geeignete für unsere Persönlichkeit halten, wäre es dennoch falsch, sich einseitig und auf fixierte Art damit zu identifizieren: «Ich bin ein Mahayana-Buddhist, du ein Theravada-Buddhist», oder «Ich bin Buddhist, und du bist Christ». Es ist wichtig, im Sinn zu behalten, dass wir alle Menschen sind, die nach dem Glück suchen und die Wahrheit erkennen möchten, und jeder von uns muss diejenige Methode finden, die seinen Veranlagungen entspricht. Offen zu bleiben sein für die verschiedenen Ansätze bedeutet jedoch nicht, dass es sinnvoll wäre, alles wahllos in einen Topf zu werfen und aus der eigenen Übung einen Eintopf zu machen. Es ist nicht zweckdienlich, unterschiedliche Meditationstechniken aus verschiedenen Traditionen während einer Meditationssitzung miteinander zu vermischen. Es ist besser, in jeder Sitzung nur eine Technik anzuwenden. Wenn wir ein wenig von dieser Technik nehmen, ein wenig von jener, für keine von beiden tiefes Verständnis entwickeln und sie miteinander vermischen, könnten wir am Ende durcheinander geraten. Trotzdem kann natürlich eine Unterweisung aus einer anderen Tradition unser Verständnis und die Praxis bereichern, die wir selber ausüben. Außerdem ist es ratsam, jeden Tag die gleiche Meditation zu üben. Wenn wir an einem Tag eine Atem-Meditation, am nächsten den Namen Buddhas rezitieren und am dritten Tag eine analytische Meditation machen, werden wir in keinem Bereich Fortschritte erzielen, weil die nötige Beharrlichkeit und Kontinuität in der Übung fehlt. Welche sind die verschiedenen buddhistischen Traditionen? Im Allgemeinen gibt es zwei Linien: Theravada und Mahayana. Der Theravada-Buddhismus (die Tradition der Älteren) stützt sich auf Sutren, die in der Pali-Sprache überliefert worden sind. Er hat sich von Indien nach Sri Lanka, Thailand, Burma und anderen Ländern ausgebreitet. Diese Tradition betont vor allem die Atem-Meditation, um Konzentration zu erlangen, sowie Meditationen mit Vergegenwärtigung des Körpers, der Empfindungen, des Geistes und der übrigen Phänomene, um Weisheit zu entwickeln. Die Mahayana-Tradition (das Große Fahrzeug) basiert auf den in Sanskrit überlieferten Schriften. Sie hat sich nach China, Tibet, Japan, Korea, Vietnam usw. verbreitet. Obwohl Liebe und Mitgefühl auch grundlegende und wichtige Bestandteile der Theravada-Praxis sind, werden sie in der Mahayana-Praxis in noch größerem Ausmaß hervorgehoben. Innerhalb der Mahayana-Tradition gibt es wiederum mehrere Zweige: Die auf das „Reine Land“ gerichtete Praxis betont das Rezitieren des Namens von Buddha Amitabha, um eine Wiedergeburt in dessen reinem Land zu erlangen; im Zen-Buddhismus wird das Hauptgewicht auf Meditationen gelegt, um das lärmende begriffliche Bewußtsein zum Schweigen zu bringen; das Vajrayana (das Diamant-Fahrzeug) empfiehlt die Meditation über eine Gottheit, um solcherart den verblendeten Geist und den vergifteten Körper in den Körper und das Bewußtsein eines Buddha zu transformieren. Was bedeutet die Bildsymbolik in der tantrischen Kunst? Die Transformation von Körper und Bewußtsein spielt eine bedeutende Rolle im Vajrayana, und daher findet auch die Symbolik ausgedehnte Verwendung. Manche Gottheiten Manifestationen von Buddha werden in Posen der Begierde oder des Zornes abgebildet. Die sexuelle Bildersymbolik ist nicht wörtlich im Sinne der weltlichen Erscheinungsweise zu verstehen. Gottheiten, die in sexueller Vereinigung dargestellt sind, repräsentieren im Vajrayana die Vereinigung von Methode und Weisheit, die beiden Aspekte des Pfades, welche unabdingbar verwirklicht werden müssen, um Erleuchtung zu erreichen. Die zornvollen Gottheiten sind keine Monster, die uns bedrohen. Ihr Zorn zielt direkt auf unsere eigentlichen Feinde ab: auf Unwissenheit und Selbstsucht. Wenn wir diese Bildsymbolik richtig verstehen, zeigt sie uns, wie Begierde und Zorn transformiert und dadurch überwunden werden können. Welchen Zweck hat die Mantra-Rezitation? Mantras sind festgelegte Silben, die rezitiert werden, um den Geist zu schützen. Wovor wir den Geist schützen wollen, sind Anhaftung, Zorn, Unwissenheit und dergleichen. In Verbindung mit den vier Gegenkräften ist die Mantra-Rezitation sehr wirkungsvoll bei der Bereinigung von negativen karmischen Eindrücken in unserem Geisteskontinuum. Während der Mantra-Rezitation sollten wir gleichzeitig in einer heilsamen Art und Weise denken und visualisieren, sodass wir konstruktive und positive Gewohnheiten im Bewusstsein verankern. In der Vajrayana-Praxis werden die Mantras eher auf Sanskrit rezitiert, als dass sie in andere Sprachen übersetzt werden. Der Grund dafür ist, dass mit dem Klang der Silben eine spezielle heilsame Energie bzw. Vibration freigesetzt wird. Während der Rezitation können wir uns auf den Klang des Mantras konzentrieren, auf dessen Bedeutung oder auch auf die begleitenden Visualisierungen, die der spirituelle Meister uns im Zusammenhang damit gelehrt hat. Über Shakyamuni Buddha „Er konnte einfach den starken Wunsch nicht mehr unterdrücken, sich auf den Weg zu machen, um eine Lösung für die Leiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod zu suchen.“ Buddha, der historische Begründer des Buddhismus, wurde vor etwa 2.500 Jahren in Indien geboren. Er war der Sohn von Shuddhodana, dem König der Shakyas, eines kleinen Stammes, dessen Herrschaftsbereich im Hügelland am Fuße des Himalaya gelegen war, südlich des heutigen Zentral-Nepals, 15 Meilen von Kapilavastu. „Shakya“ in „Shakyamuni“ ist auf den Stammesnamen zurückzuführen, und „Muni“ (wörtlich: „fähig, mächtig“) wird verwendet im Sinne von Weiser oder Heiliger. Sein Familienname war Gautama („die beste Kuh“) und den Namen, den man ihm gab, war Siddharta („der das Ziel erreicht“). Buddhas Mutter Maya starb sieben Tage nach seiner Geburt, und er wurde von der jüngeren Schwester der Mutter, Mahaprajapati, aufgezogen. Der Tod der Mutter hatte wahrscheinlich einen großen Einfluß auf den sensiblen Jugendlichen, der sich später intensiv mit der Frage der Sterblichkeit auseinandersetzte. Der Vater sorgte gut für seinen introvertierten, friedfertigen Sohn und ließ ihm besonderen Unterricht in Literatur wie auch in der Kriegskunst zuteil werden. Als Shakyamuni ein Junge war, wurde er absichtlich von den Realitäten des Lebens abgeschirmt und ferngehalten. Er wuchs inmitten der Vergnügungen des königlichen Palastes auf. Die Familie erwartete natürlich von ihm, dass er als Nachfolger des Vaters die Führung des Stammes übernehmen würde. Aber wenngleich seine Familie solche Erwartungen an ihn stellte, war der junge Shakyamuni überaus nach innen gekehrt und sehr still. Er hatte einen scharfen Sinn für Gerechtigkeit und suchte nach Antworten auf die schwierigen und verwirrenden Fragen des Daseins. Es wird berichtet, dass er sich bei etlichen Gelegenheiten aus dem Palastbereich entfernte und sich dabei jedes Mal mit dem Leid des Lebens konfrontiert sah. Einmal begegnete ihm ein uralter Mann; ein anderes Mal traf er auf einen Kranken, der sehr hinfällig und glühendheiß vom Fieber war; ein drittes Mal beeindruckte ihn die Begegnung mit einem Wandermönch (bhikshu), der dem weltlichen Leben entsagt hatte, um ein hartes und entbehrungsreiches Leben auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung zu führen. Bei einem vierten Ausflug sah er einen Toten auf der Straße liegen. Diese Ereignisse werden in den buddhistischen Schriften als die „vier Begegnungen“ beschrieben. Es wird erzählt, dass Buddha von diesen Konfrontationen mit dem menschlichen Leid tief bewegt war. Der König, der um die Neigung seines Sohnes zu tiefer Selbstbetrachtung wusste und dessen Wunsch, einen spirituellen Weg zu gehen, kannte, versuchte ihn an ein irdisches Leben innerhalb der Grenzen des Palastes zu binden. Eine Heirat schien ein geeignetes Mittel zu sein, den jungen Prinzen von seiner Absicht abzubringen, das Leben eines Asketen zu führen. Also heiratete der junge Prinz im Alter von 16 Jahren die schöne Yashodhara, die bald darauf einen Sohn, Rahula, gebar. Nach der Geburt des Sohnes konnte der junge Siddharta jedoch das Bedürfnis nicht länger unterdrücken, in die Welt hinauszugehen, um nach einer Lösung zu suchen, die den „vier unausweichlichen Leiden“: Geburt, Alter, Krankheit und Tod, angemessen war. Etwa im Alter von 19 Jahren entsagte Siddharta dem weltlichen Leben, gab den Status als Prinz auf und begann ein religiöses Leben zu führen. Nachdem er den Palast der Shakyas in Kapilavastu verlassen hatte, reiste er nach Rajagriha, der Hauptstadt des Königreichs Magadha, wo er bei verschiedenen Asketen Unterricht nahm. Antworten auf seine Fragen konnte er jedoch nicht bei ihnen finden, obwohl er die von ihnen gelehrten Übungen genau befolgte. Er verließ daraufhin Rajagriha und setzte seine Reise bis an die Ufer des Flusses Nairanjana in der Nähe des Dorfes Uruvila fort, wo er zusammen mit einigen weiteren Asketen damit begann, Disziplinen strenger Entbehrung auszuüben. Er unterwarf sich den härtesten Übungen der Selbstkasteiung, wobei seine Anstrengungen diejenigen der anderen noch übertrafen. So hoffte er, durch die Selbst-Erniedrigung Befreiung zu erlangen. Nach sechs Jahren verwarf er dann auch diese Praktiken. Um wieder zu Kräften zu kommen, nachdem er so lange gefastet hatte, akzeptierte er eine Milchspeise, die ihm von Sujata, einem Mädchen aus dem Dorf, angeboten wurde. Anschließend setzte er sich in der Nähe der Stadt Gaya unter einem Maulbeerbaum nieder und versenkte sich in Meditation. Hier erlangte er, im Alter von 30 Jahren, Erleuchtung. Der Maulbeerbaum wurde später Bodhi-Baum genannt, weil Shakyamuni unter diesem Baum Erleuchtung Sanskrit: „Bodhi“ - erlangte. Der Ort selber wurde danach Bodhgaya genannt. Nach seinem Erwachen hielt Shakyamuni sich noch für eine Weile unter dem Bodhibaum auf und erfreute sich seiner Befreiung. Er sann darüber nach, wie er seine Erkenntnis anderen vermitteln könne. Es wird erzählt, dass er sich fragte, ob er versuchen sollte, anderen das beizubringen, was er selber erreicht hatte, oder nicht. Schließlich beschloss er, sich dafür einzusetzen, damit der Weg zur Befreiung vom Leid der Geburt und des Todes allen offen stünde. Zuerst begab er sich nach Varanasi in den „Wild-Park“, wo er den fünf Asketen, die einst seine Begleiter gewesen waren, „die vier edlen Wahrheiten“ lehrte. Im Laufe der nächsten 50 Jahre, vom Zeitpunkt des Erwachens an bis zu seinem Tod, fuhr Shakyamuni damit fort, durch weite Teile Indiens zu reisen, um seine Lehren zu verbreiten. Noch zu seinen Lebzeiten verbreiteten sich seine Lehren nicht nur in Zentral-Indien, sondern auch in entfernteren Gebieten, und Menschen aus allen sozialen Schichten bekannten sich zum Buddhismus. Im Alter von 80 Jahren starb Shakyamuni. Das letzte Jahr vor seinem Tod verbrachte er am Gridhrakuta (Geier-Gipfel) in Rajagriha. Von dort aus brach er zu seiner letzten Reise nordwärts in Richtung des Ganges nach Vaishali auf. Während der Regenzeit hielt er sich in Beluva, einem Dorf nahe Vaishali, auf. Hier wurde er ernsthaft krank, gesundete aber wieder und fuhr fort in zahlreichen Dörfern zu lehren. Schließlich kam er an einen Ort namens Pava in Malla, wo er nach einer Mahlzeit erneut erkrankte. Trotz der Schmerzen setzte er seine Reise fort, bis er Kushinagara erreichte. Dort legte er sich in einem Wäldchen ruhig nieder und sprach seine letzten Worte. Er ermahnte seine Schüler und sagte: „Ihr müsst nicht glauben, dass die Worte eures Lehrers jetzt nicht mehr sind, oder dass ihr ohne Lehrer zurückgelassen seid! Die Lehren und Grundsätze, die ich euch dargelegt habe, sollen Euer Lehrer sein.“ Es ist überliefert, dass seine allerletzten Worte lauteten: „Der Verfall wohnt allen zusammengesetzten Dingen inne. Erarbeite dir deine Befreiung durch stetiges Streben.“ Was bedeuten die verschiedenen Anrede-Titel innerhalb der Traditionen des Mahayana-Buddhismus? Zitat von Kendall Magnussen: Lieber Daniel, „Gésche“ ist ein akademischer Grad klösterlichen und philosophischen Studiums. Traditionellerweise erwirbt man ihn nach etwas 25 Jahren intensiven Vollzeit-Studiums an einer der großen Kloster-Universtitäten, er ist vergleichbar mit einem Doktortitel, obwohl er diesen an Fähigkeiten und Gelehrsamkeit noch übertrifft. Außerdem gibt es verschiedene Stufen innerhalb des Gésche-Grades. Ein „Lharampa-Gésche“ zum Beispiel hat seinen Abschluss mit großen Ehren absolviert und ist einer der Besten seines Jahrgangs. In erster Linie handelt es sich also um einen Titel, der etwas über die akademischen Vorzüge und das Ausmaß der Ausbildung und Kenntnisse hinsichtlich der philosophischen Schriften des Buddhismus aussagt. „Rínpotsche“ bedeutet „kostbar“ und bezieht sich auf jemanden, der seinen Geist im vergangenen Leben in so hohem Maße gemeistert hat, dass seine Wiedergeburt nicht mehr zwanghaft irgendeinem Impuls folgt, sondern durch sein Mitgefühl mit anderen Lebewesen bestimmt ist, sodass er eine weitere Geburt, beziehungsweise eine menschliche Gestalt, angenommen hat, um andere anzuleiten. Deswegen ist er „kostbar“, weil er wiederkehrt, um uns zu zeigen, wie wir selbst diese Meisterschaft erlangen können. „Ehrwürdige/Ehrwürdiger“ ist eine Bezeichnung für Ordinierte. Traditionell wird jeder Mönch und jede Nonne so angesprochen; es ist einfach ein Ausdruck des Respekts gegenüber denjenigen, die sich für ein Leben im Kloster entschieden haben und die Aufgabe übernommen haben, die Lehren auf diese Weise zu erhalten. „Lama“ bedeutet wörtlich: „gewichtig durch Qualitäten“. Dieser Titel setzt voraus, dass die Person, die so bezeichnet wird, hohe spirituelle Qualitäten aufweist und die Fähigkeit hat, andere auf dem Weg des spirituellen Lebens zu leiten. In einigen Traditionen des tibetischen Buddhismus kann man sich den Titel „Lama“ nach festgelegten Klausur- und Studienzeiten verdienen. In anderen Traditionen muss man sich des Titels „Lama“ würdig erweisen, indem man über Jahre hinweg seine Qualitäten unter Beweis stellt oder aber eindeutig als „Rínpotsche“ erkannt wird und damit per definitionem „Lama“ ist. Ich hoffe, dass diese Informationen dir weiterhelfen, |
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Die Fragen und Antworten sind, mit Ausnahme der letzten, entnommen aus “The ABC of Buddhism” und “I Wonder Why“ (© Thubten Chodron), zu finden auf der Website des Amitabha Buddhist Centre; Auszug mit freundlicher Genehmigung. Aus dem Englischen übersetzt von Christel Drescher, überarbeitet von Conni Krause, Mai 2006 |